Die obige Rechnung stimmt natürlich nur für Individualprojekte.
Dazu kommen häufig noch ein paar Tausend Euronen für Installation, Integration, Support, Schulung und Wartung. Zusammengenommen verdoppelt das den Preis meist.
Den 0815-Kram, den man quasi von der Stange kauft, könnte es etwas billiger werden:
1. "Projektbuch" (Anforderungsanalyse, UML-Diagramme, ER-Diagramme, et cetera) wird nicht immer neu erstellt. Für die Standardprodukte pflegt man in der Regel eine bestehende Dokumentation. Man dokumentiert nur die kundenspezifischen Abweichungen vom Standard-Projekt.
Oder man beschreibt ganz banal die einzelnen notwendigen Arbeitsschritte. Bei Standardprojekten geht dass, weil man den Ablauf und den Aufwand aus früheren Projekten im Voraus kennt. Bei kompletten Neuentwicklungen geht das leider meist nicht Pi-mal-Daumen.
2. Der Stundensatz ist der Gleiche. Nur das logischerweise weniger Stunden anfallen, wenn 90% des Quellcodes wiederverwendet werden.
3. Tests können meist sehr kurz ausfallen. Für Standardprojekte, die man jahrelang ständig verkauft, kann man sich den Luxus leisten umfangreiche Unit-Tests zu pflegen und muss so bei Bedarf nur die kundenspezifischen Ergänzungen testen.
ABER: der Kunde muss natürlich wissen, dass Standardsoftware fixen Parametern (Constraints) unterliegt, die sich aus der Architektur ergeben und die aus Kostengründen nicht verändert werden dürfen. Und der Kunde muss wissen, dass er seine Anforderungen während des Projekts nicht mehr ändern darf, weil jede Änderung erneut Kosten verursacht. Außerdem kann er (eigentlich) keinen Support erwarten.
Würden sich die Kunden an diese Regeln halten (was in der Praxis jedoch eigentlich niemals der Fall ist) wäre theoretisch eine Realisierung für 500 Euro inklusive Lizenz möglich. Praktisch ist eine solche Summe allerdings meist ziemlich utopisch.